Michael Goller

* 1974 

Michael Goller, Atelier, Januar 2015, Foto: Peter Piek
Foto: © Peter Piek

Der Betrachter sieht Momentaufnahmen eines ewigen Welttheaters, das er staunend besieht, aber nicht begreift ... Der Künstler reflektiert in seinen Werken unablässig über die beiden Medien Malerei und Zeichnung, und zwar auf eine sinnliche, ungemein anschauliche Art und Weise. Wenn der Malerei Flächen, Farben, Farbverläufe und Pinselduktus zugeordnet sind, dann steht die Zeichnung für Linien und Striche, Schwarz-weiß-Kontraste und Handschrift. Goller bringt all diese Elemente zusammen. Aber er vermischt die Ebenen nicht, sondern macht sich und dem Betrachter immer bewusst, dass er changiert zwischen „malerisch“ und „graphisch“, und diese Ebenen unabhängig voneinander funktionieren.
Dr. Jutta Moster-Hoos Leiterin Horst Janssen Museum Oldenburg, 2016 Katalog zur Ausstellung "Monochrom"

Es zeigt sich darin ein Bildverständnis, das durch aktuell kursierende, semiotisch geprägte „Bildwissenschaften“ kaum abgedeckt wird ... Wer Bilder nur als „visuelle Kommunikation“ liest, wird Michael Gollers Kunst kaum etwas abgewinnen können und dabei übersehen, dass sie – trotz der Konzentration auf scheinbar traditionelle Ausdrucksmittel – ein sehr aktuelles Potential enthält, nämlich einen Gegenvorschlag zu einem Bildverständnis, das sich nur noch an technischen Medien orientiert.
Ludwig Seyfarth Kunstkritiker & Kurator KAI 10 Arthena Foundation, Düsseldorf, 2016 Katalog zur Ausstellung "Monochrom"

Nunmehr vier Jahre später hat sich nicht nur die Erscheinungsform der Werke Gollers radikal verändert, sondern auch die Art und Weise, wie sie entstehen ... Nach einem grundlegenden folgenreichen Prozess der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt und sich selbst gelangte der Künstler zu einem neuen Arbeitsprozess, der eine neue Ausrichtung des Œuvres bedingte. Michael Goller braucht nicht mehr den äußeren Eindruck oder eine auslösende Bildidee, um in den kreativen Prozess einzusteigen. Nach Jahren des Erarbeitens der ihm eigenen Bildsprache kann er aus dem Reichtum seines Inneren schöpfen. Um zu diesen inneren Quellen, quasi ad profundum, vorzudringen, bedarf es der Stille, der Abspaltung alles Äußeren, äußerster Fokussierung.
Thomas Bauer-Friedrich, Direktor Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), 2014 Katalog zur Ausstellung "Nirgendwo ist Eines"

Was sich in den „Tagebuchrollen“ noch als flüchtig und im steten Wandel herausstellte, wird im fortschreitenden Vorgehen einem Konzentrationsprozess seitens des Künstlers unterzogen ... Es entstehen Zeichnungen, die wie Exzerpte des Vorangegangenen wirken. Das Format ist nun konstant, nicht mehr gerollt. Es ist ein lang gezogenes Rechteck, aber auch nicht mit einem kurzen Blick wahrnehmbar. Wir werden in die Nähe gerufen. Die Zeichnungen sind konzentrierter, kein Strich scheint zu viel. Der Schwung der Linien bleibt vertraut, allerdings sind die teilweise gegenständlichen Formen der „Tagebuchrollen“ fast gänzlich verloren. Die Schriftsprache ist abhandengekommen. Die Konzentration gefunden, der Gedanke formuliert. Alles scheint verwoben. Fantasiewesen treten vereinzelt auf oder doch nur Liniennetze, die meine Gedanken fangen? Die Linie hat ihren Forschungscharakter verloren. Mehr als zuvor schleicht sich die Farbe in die Zeichnung ein, rote Netze, gelbe Flächen, schwarzes Dickicht… Der Maler erwacht.
Diana Kopka, Kunsthistorikerin Kunstsammlungen Chemnitz, 2014 Katalog zur Ausstellung "Nirgendwo ist Eines"

Tag für Tag hat er sich dieser Thematik zugewandt und dabei immer wieder nach einem neuen Ansatz gesucht, „systemlos“ sagt der Künstler selbst ... Die Blätter zeigen, dass das Schriftliche Experiment geglückt ist, wenn man das behaupten darf. Es sind äußerst dichte Blätter, in denen sich die zeichnerischen Qualitäten von Goller bestens entfalten können. Jedes Blatt steht für sich, überrascht mit neuen Bildelementen, Formen, Materialien, ohne dass der Charakter eines Zyklus verloren ginge. Die Tusche lässt hierbei aus der Feder seltsame Formen herausfließen (Wasser!). Unbekannte, ungesehene Figuren und Strukturen breiten sich dann über den Blättern aus. Eine fast märchenhafte Faszination geht aus diesen Zeichnungen hervor. Auch die Schrift spielt eine dem Thema angemessene, bildtragende Rolle. Ob in Bleistift oder Tusche, immer breiten sich Textpassagen, Fragmente oder einzelne Sätze in feinster akribischer Handschrift oder in impulsiv hingesetzten Gesten aus.
Alexander Stoll, Kunsthistoriker Neue Sächsische Galerie, 2013 zum Bildzyklus "Schriftliches Experiment"


Ausstellungen

[g] = Gruppenausstellung [k] = Katalog

2017
OSTRALE Biennale, Dresden [g] [k]
Lindenau-Museum, Altenburg [g]
Heinrich-Hartmann-Haus, Oelsnitz [g]

2016
e.artis contemporary, "Monochrom" [k]
Ostrale'O16 "error: X", Dresden[g] [k]
Museum Wilhelm Morgner, Soest [g]
Galerie Sybille Nütt, Dresden [g]

2015
"und darüber hinaus", Galerie Sybille Nütt, Dresden
"Libellisches Grün", AC Galerie Tholen, Herford
"Lichtluft, grenzenlos", Kunstverein art gluchowe, Glauchau

2014
"Zeichen - Muster - Ornament", Galerie Obrist, Essen [g]
"Nirgendwo ist Eines", Galerie Weise [k]
St. Jakobikirche, Chemnitz
"Wundertüte", Galerie Obrist, Essen [g]
Kunstverein Burgwedel/Isernhagen [g]
"Frost", Galerie Oscar im Weltecho, Chemnitz [g]

2013
"Wild At Heart", Galerie Obrist, Essen [g]
"Zeichnungen und Malerei", Kleine Galerie Hohenstein-Ernstthal
Galerie Weise [g]
Schloss Schlettau [g]
"[aquarius]", Kunstverein burk-art
Kunstverein Plauen-Vogtland Galerie im Malzhaus [g]
"A1", Galerie Oscar im Weltecho, Chemnitz [g]

2012
Kunstraum Gepard 14, Bern/Schweiz
"Zyklopisches Gastmahl", Domgalerie Merseburg [k]
"Inside Out", Galerie Obrist, Essen [g]
Galerie Sybille Nütt, Dresden [g]
Kunstverein Wesseling [g]

2011
OSTRALE'011, Dresden [g] [k]
"Neue Deutsche Grafikgemeinschaft", Kunstsammlungen Chemnitz [g]
"Out of Chemnitz", Galerie Weise [g]
"Puppenspieler", Galerie Erata, Leipzig [k] [g]
"Gastmahl, zentaurisch", Hochschule Mittweida
"Gastmahl-Trilogie", St. Jakobi, St. Johannis, St. Matthäus

2010
OSTRALE'010 "Rites of Passage", Dresden [g] [k]
"Out Of Ostrale", Katowice/Poland, Eupen/Belgium [g] [k]
"Apostroph", Galerie Weise, Chemnitz
"Autistisches Experiment", Turmgalerie Schloss Augustusburg
"The Color White", GAM | Galerie Obrist, Essen [g]
Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken [g] [k]
Stiftung Neue Kultur, Prora [g]
Essenheimer Kunstverein [g]
"10 voices - 10 artists", Galerie Sybille Nütt, Dresden [g]
"Schriftliches Experiment", Kunst für Chemnitz e.V.
Galerie Süd, Magdeburg

2009
"Vom Anlegen des Bootes im Zwischenraum", Galerie Sybille Nütt, Dresden
"Im Juli gemaltes Bild", GAM | Obrist Gingold Galerie, Essen [k]
"Konkretes Vergessen", Galerie Erata, Leipzig [k]
"Rhapsodischer Zentralbau", Kunstraum 84Ghz, München
"Showbag - Art in Paperbags", GAM | Obrist Gallery, Essen [g]
Galerie Angerer, Vomperbach b. Schwaz/Österreich [g]

2008
GAM | Galerie Obrist, Essen
Galerie Tazl, Weiz/Österreich
"Rumpelstilzchen", Saarländisches Kuenstlerhaus Saarbrücken [k]
"Gastmahl im Museum", Kunstverein Bayreuth
Toronto International Art Fair (GAM | Obrist Gingold Gallery), Toronto/Canada [g]
"Showbag - Art in Paperbags", GAM | Obrist Gallery, Essen [g]
"Art from (East)Germany", Galerie Weise, Chemnitz [g]
"Prometheus und der Adler", Kunstverein Husum

2007
"PUPPET-SHOW", Galerie Szyb Wilson, Katowice/Polen [g]
"Puppenspieler", Galerie Lurago/St.Ignatius-Kirche, Chomutov/Tschechien [g]
"The SELF. Self-Perceptions of Dresden Artists of the 20th and 21st Century", Galerie Sybille Nütt, Dresden [g]
Galerie Carstensen, Hamburg [g]
"Gastmahl auf dem Mars", Galerie Weise, Chemnitz
Schloss Rochsburg [k]  
Kunstverein Plauen-Vogtland, Galerie im Malzhaus [g]

2006
"Bilder", Kunstverein Heidenheim
"Gastmähler", Galerie Carstensen, Hamburg
Galerie Sybille Nütt, Dresden [g]
"Das Gleiche – Anders", Galerie Carstensen, Hamburg [g]
"Das Merkurische Jahr", Erzhammer Annaberg

2005
"Nutella im Gesicht", Galerie in den Ackerhöfen, Berlin
"Opening Exhibition", Galerie Carstensen, Hamburg [g]
"Grosse Kunstausstellung", Villa Kobe, Halle/Saale [g] [k]
"Zu Fuß an der Malfront", Voxxx-Galerie, Chemnitz [g]
Galerie im Kunsthaus Mitte, Berlin [g]
"Paintboxes", Kunst für Chemnitz e.V. [g] [k]

2004
"Konkretes Vergessen", Heck-Art-Galerie Chemnitz
"Das Goldene Zeitalter", Kunstverein Meerane
"Untrockne Bilder", Regierungspräsidium Chemnitz [g]
Galerie Artoz, Fürth [g]

2003
"Labyrationen", Galerie Erata, Leipzig [k]
"Interchronologischer Schmetterling", Galerie Markt 21, Weimar
Kunstförderverein Weinheim [g]
Galerie Weise, Chemnitz [g]

2002
"Landschaften", Städtische Galerie Döbeln
"42 Köpfe", Regierungspräsidium Chemnitz
"5x5 Junge Kunst aus Sachsen", Neue Sächsische Galerie, Chemnitz [g]
Galerie Weise, Chemnitz [g]
"Große Kunstausstellung", Villa Kobe, Halle/Saale [g] [k]

2001
"Entrée", Galerie Weise, Chemnitz
Erzhammer, Annaberg-Buchholz

2000
"Vier Elemente", Göltzschtalgalerie Nicolaikirche, Auerbach
Galerie Stilbruch, Erfurt
"Modulationen", Museum "Alte Pfarrhäuser", Mittweida

1999
"Vier Elemente", Kunstraum der Sparkasse Chemnitz im Moritzhof
Galerie im Jazzclub Tonne, Dresden

1998
Galerie Art Forum, Burgstädt

1997
Brandenburger Landtag, Potsdam
Museum "Alte Pfarrhäuser", Mittweida


Publikationen

"Monochrom", e.artis contemporary 2016
"Nirgendwo ist Eines", Galerie Weise 2014
"[aquarius]", PPZK Leipzig 2012
"Zimmer mit Blumen", PPZK Leipzig 2011
"Die Puppenspieler" (mit Peter Piek), Leipziger Literaturverlag 2011
"Konkretes Vergessen", Leipziger Literaturverlag 2009
"Im Juli gemaltes Bild", Galerie Obrist Essen 2009
"Rumpelstilzchen", Saarländisches Künstlerhaus Saarbrücken 2008
"Gastmähler", Verlag The Thinkfactory Chemnitz 2007
"Das Malbuch" (mit Peter Piek), Leipziger Literaturverlag 2005
"Malerei", Passage-Verlag Leipzig 2005
"Kann man Farben hören?" (mit Peter Piek), Werkstatt Wort HGB Leipzig, 2005
"Labyrationen", Leipziger Literaturverlag 2003