Querschlag III :: Paintboxes

Heck-Art-Galerie 12.5.-11.7.2005


Michael Goller malt und textet, textet und malt. Manchmal nebeneinander her, oft aber ineinander. Er mag der Getriebenste und Rastloseste sein unter den Querschlägern, bei dem Selbstzweifel und Höhenrausch eng beieinander liegen.
Seine Malereien sind ornamental, expressiv und erzählerisch in einem, sie mischen Comicelemente mit abstrakter Farbmagie, wollen verstören durch inhaltliche Direktheit und dabei reine Kunst bleiben. Ein realitätswacher Träumer, assoziativ Umschreibender, der Kosmen durch Poesie bannen will. So hoffen seine Bildtitel zB von der Versklavung des Schöpfers durch die Erlösung des Geistes und der Materie, was auf dem Bild wie labyrintische Verwirrung anmutet. Immer wieder werden Wörter und Sätze den Malereien eingeschrieben, meist nicht mehr zu entziffern nähern sie sich Hieroglyphen an. Verqueres Zeitrauschen, in dem sich Perspektiven verkehren, Räume durch Farbflächen verschlossen werden, Figuren und Tiere zeichenhaft irgendwo in den Bildschichten steckenbleiben, Fußtritte sich breitmachen und Hände verschwinden. Ab und an aufgeklebte, aufgemalte Din-genormte Rechtecke wie eine kühl einbrechende Gegenwart in sein schöpferisches Chaos, mit einem anderen Code der Verständigung. Doch Michael Goller bleibt erdverbunden, wie mit dem nutellaverschmierten Mund oder dem Gespräch mit Teebeutel. Ironie und Hintersinn allemal, das Poetische eher die dahinter verborgene Welt. Auf alle Fälle Malereien, die sich aus ihrer sinnlichen Substanz heraus selbst zu einem Gegenpol der kalt sentimentalen Warenästhetik machen.
Dr. Ina Gille, Kunsthistorikerin
Leipzig im Mai 2005