Malerei

Städtische Galerie Süd, Magdeburg, 14.1. bis 15.2.2010

 


Die Bilder dieser Ausstellung sind alles Bilder aus dem 21. Jahrhundert.
Sowohl farblich wie von der Turbulenz und Vielfalt äußerst beeindruckend und Blickfang… das sechsteilige Werk Rumpelstilzchen
Aus einem nahezu … Chaos von angerissenen Momenten von Geschehnissen und einem betörenden Gewirr an Farben, welche jedoch fast durchweg fröhlich und unangestrengt auf den Betrachter wirken, selbst wenn viel Dunkles und Schwarzes im Bild ist, wie auf den ersten drei Tafeln, von links gesehen, wird die Fröhlichkeit, wird die Heiterkeit nicht beeinträchtigt … aus diesem chaotischen Wirrwarr scheint sich dann ein eher klarer Kopf zu erheben, rot der große Kopf auf schwarzem Grund, sozusagen ein Rumpelstilzchen, das seinen eigenen Namen erfährt, um dann wieder in einem Absturz nach so viel Mühen des Aufstiegs, so er denn überhaupt einer war, zu enden… und in der sechsten Tafel eine beinahe fast klare … hellere… fast durchsichtige Farbigkeit, Lebendigkeit, die eine ziemliche Gemengelage transparent zu machen scheint …
Und vier Bilder mit dem Namen Bibliothek… der Mensch hoffnungslos weggeschwemmt von der Wissensfülle einer Welt, die keinesfalls erst seit Beginn des Kommunikationszeitalters nicht zu überschauen ist … Schon die Bibliothek von Alexandria  - um 50 vor Christus - beherbergte Datenträger in Schriftrollenform, für deren Lesen ein Mensch rund 75 Jahre gebraucht hätte… ewiges Dilemma, dass das Wissen uns übersteigt, aber heute glauben wir, es besonders vital fühlen zu können…
die unterschiedlichen Farbpaletten lösen im Betrachter unterschiedliche Befindlichkeiten aus zu dieser Misere, wenn es nun eine sei,
oder zu dem Umstand, dass wir eher uns bescheiden sollten und in Demut anerkennen, wir sind eben etwas kleiner in Macht und Möglichkeit, was auch zu Heiterkeit und Lebensbejahung führen kann… und nicht nur zu pessimistischen Bedenklichkeiten…
Die Bilder Zwei Köpfe sind aus der Distanz Farbschattierungen in Grau- und Schwarztönen und wenn wir näher treten, erkennen wir die Konturen von Gesichtern…aus amorphen Vorgängen entsteigen menschliche Wesen, die wir nur aus der Nähe als solche wahrzunehmen vermögen…wir schreiten auf einen Baumstumpf im Wald zu und erkennen die Züge unseres Nachbarn im Holz…
Die Arbeit Kopf … eine Blutspur im Schnee… eine Farbwüstenei… aus der Zufälligkeit der Elemente, hier der Farben, entsteigt der Sinn… erst im Sinn entschlüsselt sich die Schönheit… oder das wirklich Ästhetische zwingt uns einen Sinn auf…
Bei den Bildern Michael Gollers
ist die erste Dimension die Farbe, die Farbkomposition, die Magie, die von der Farbgestaltung ausgeht…
die zweite Dimension… die Torsi an Gegenständen…die Schemen von Handlungen…
die dritte … die Hieroglyphen… die verhuschten verbalen Zeichen und Hinweise…
die vierte Dimension… einen Sinn aus dem Geflecht… aus dem Schwall von Mitteilungen zu finden…
so wie wir gezwungen sind, tagtäglich, in die totale Welt einen Sinn für unser schmales Dasein einzuhauchen, damit wir eine Ahnung uns schaffen, warum wir leben…und Grund, Leben fortzusetzen, wenn … warum … weshalb… wozu brüchig werden… für eine lange Weile…
Michael Goller schrammt in vielen seinen Aussagen immer hart und knapp entlang der Kante dessen, was eigentlich nicht gesagt werden kann… was einem Verständnis zu Teilen nur zugeführt werden kann durch Musik… durch lyrische Sprachbilderwelten oder eben durch Malerei… oder eher einem Erfühlen als einem wirklichen Verstehen und schon gar keinem Begreifen… zugänglich ist… oder wo die Scheu anständigen Denkens zu groß ist, triviale Eindeutigkeiten zu formulieren…

Bernd Kurt Goetz, 1/2010